«Das ist Gift für die Investitionsfreude»

Der Präsident des HEV Luzern, Damian Hunkeler, spricht im Interview darüber, wie er den Bauherrschaften die Freude am Bauen zurückbringen will und weshalb er mit dem Ansatz des Chefökonomen der Raiffeisen nicht einverstanden ist.

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Damian Hunkeler, der Hauseigentümerverband Luzern hat kürzlich geschrieben: «Um den Wohnraummangel zu decken, müsste jedes Jahr eine Stadt in der Grösse von Luzern gebaut werden.» Was ist die Alternative?
Grundsätzlich müssen wir das Ganze neu denken und positiver angehen, Schluss mit dem investitionsfeindlichen Klima machen. Die Bauherren sollen wieder Freude am Bauen haben. Wir müssen private und institutionelle Eigentümer zum Bauen motivieren. Gift für Investitionsfreude ist das heutige Bewilligungsverfahren. Ich meine damit die langen und komplizierten Verfahren und die Gefahr von vielen, auch unberechtigten Einsprachen, die das Bauen verteuern und Unsicherheit bringen.

Gibt es Schätzungen, wie viel Wohnraum durch langsame Bewilligungsverfahren auf der Strecke bleiben?
Nein, das gibt es meines Wissens nicht. Klar nachweisen lässt sich aber, dass die gesetzlichen Fristvorgaben nicht eingehalten werden. Das spürte der kleine wie der grosse Investor. Schauen Sie in Luzern die zwei grossen leeren Grundstücke am Pilatus- und am Bundesplatz an, dort werden Bauvorhaben seit Jahren verzögert oder verunmöglicht.

Welche Massnahmen sieht der HEV als zielführend?
Wir sind eine konstruktive Kraft und haben deshalb unser eigenes Memorandum für mehr Wohnraum definiert. Es umfasst neun Punkte, die mehr Bauen wieder möglich machen würden.

Welche Punkte sind darin aufgeführt?
Dazu gehören Punkte wie Vorschriften abbauen, Verfahren straffen, Arbeits- und Wohnzonen durchmischen, Büro- und Gewerberäume einfacher in Wohnraum umwandeln und verdichten, das beinhaltet die Überbauungsziffer und die Gebäudehöhen.

Viele Einsprachen sind da kein Thema?
Doch, der Kampf gegen missbräuchliche Einsprachen ist ein weiterer Punkt, genauso wie Lärmschutzvorschriften zu reduzieren, den Denkmalschutz mit Augenmass umzusetzen und Wohnraumförderungsgeld für Miete und Eigentum auszusprechen. Sollte die Bevölkerung weiterhin so schnell wachsen, müsste auch wieder über Einzonungen von neuem Bauland gesprochen werden.

Bauland zu horten, steigert den Wert. Fredy Hasenmaile, Chefökonom bei der Raiffeisen, sprach im «Tages-Anzeiger» kürzlich über Enteignung von Bauland. Wenn nichts darauf geschieht, wäre das für Sie ein Ansatz?
Enteignung ist für uns ganz grundsätzlich kein Weg! Dass Grundstück- und Immobilienpreise in den letzten Jahren immer an Wert zugelegt haben, ist Fakt. Ob das Horten jedoch ein Faktor ist, kann ich nicht beantworten, denn wenn ich etwas verkaufe und das Geld dann gut anlege, vermehrt es sich auch. Gemäss Studien hat es im Moment noch genügend Baulandreserven. Aber da kommen wir wieder auf die erste Frage zurück. Offensichtlich sind viele Bauherren nicht bereit, den langen und mühsamen Weg zu einem fertigen Haus auf sich zu nehmen. Und das muss uns wirtschafts- und gesellschaftspolitisch zu denken geben.

Damian Hunkeler, Präsident Hauseigentümerverband Luzern

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