Die Menopause – blinder Fleck in der Arbeitswelt

Viele Frauen leiden unter den Folgen der Wechseljahre. Manche reduzieren ihr Pensum oder steigen ganz aus dem Beruf aus – das ist schlecht für beide Seiten. Darum gilt: Thema auf die Agenda nehmen und die Arbeitnehmer und -geber sensibilisieren.

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Es ist ein leidiges Thema, das die meisten Frauen ab einem gewissen Alter nur zu gut kennen: Schlafstörungen, Gelenk- und Muskelschmerzen, Reizbarkeit, depressive Verstimmung, Panikattacken, Hitzewallungen und anderes mehr. Die Rede ist von den Wechseljahrbeschwerden, von welchen viele Frauen in den Vierzigern und Fünfzigern betroffen sind. In einer Phase, in der man meist beruflich erfahren, gut ausgebildet und nicht selten in wichtigen Positionen eines Unternehmens tätig ist. Wenn nur diese Beschwerden nicht wären. «Für gewisse Frauen sind diese sehr ein schränkend. Viele reduzieren deswegen ihr Pensum oder schlagen Beförderungen aus, manche werden sogar länger krankgeschrieben oder steigen ganz aus dem Beruf aus», sagt Jeanette Kuster, Expertin, Menopause Coach und Buchautorin zum Thema Wechseljahre. Sie wurde bei der Recherche zu diesem Text vom Kinderwunsch- und Hormonzentrum des Kantonsspitals Luzern als Fachperson empfohlen.

Besorgniserregende Zahlen
Die Zahlen aus der «Meno-Support Suisse»-Studie vom Herbst 2025 zeigen, dass die Auswirkungen von Wechseljahrbeschwerden grossen Einfluss auf die Karriere der betroffenen Frauen haben. So gab jede fünfte der befragten Frauen an, ihr Pensum reduziert zu haben, 16 Prozent wechselten die Stelle, 13 Prozent haben eine berufliche Auszeit genommen und fast 6 Prozent gaben an, früher in den Ruhestand zu gehen. «Die Frauen können sich weniger gut konzentrieren, fühlen sich gestresst, sind gereizt oder haben weniger Selbstbewusstsein bezüglich ihrer Fähigkeiten», umschreibt es Jeanette Kuster. Das grösste Problem: Das Thema ist noch nicht in der Arbeitswelt angekommen, es wird nicht oder kaum da rüber gesprochen – genau das wäre aber nötig. «Um sich besser unterstützt zu fühlen, wünschen sich die betroffenen Frauen vor allem eine Sensibilisierung der Führungskräfte, offene Kommunikation über das Thema und Informationsangebote», so die Buchautorin. «Das zeigt die Studie, das höre ich aber auch immer wieder in persönlichen Gesprächen mit Frauen. Wenn die Wechseljahre in einer Firma offiziell zu einem Thema des Betrieblichen Gesundheits-Managements werden, trauen sich die Frauen eher, ihre Probleme anzusprechen. Sehr vielen ist das Ganze nämlich peinlich oder sie haben Angst, aufgrund ihrer Beschwerden im Berufsumfeld benachteiligt zu werden, weshalb sie nicht von sich aus darüber reden.»

Die Podcasterinnen von Villa Margarita (von links): Dr. Anja Wüest (Gynäkologin Bern), Priska Christen (Apothekerin und CEO «Villa Margarita»), Jeannine Kohl (Apothekerin und Geschäfts inhaberin Luzern). (Bild: André Caradonna)

Fehlendes Bewusstsein
Langsam beginnt sich dies zu ändern. Kürzlich wurde etwa bei der Luzerner Polizei ein Kaderworkshop zum Thema Wechseljahre durchgeführt. «Wir bekommen immer mehr Anfragen von Firmen, darüber zu referieren», sagt die Apothekerin Priska Christen, Co-Founderin des Luzerner Unternehmens «Villa Margarita», das nebst einem Podcast auch Weiterbildungen zum Thema Menopause und die Auswirkungen auf den Arbeitsplatz anbietet. Dass sich immer öfter Arbeitgeber für die Thematik interessieren, freut sie. «Es ist häufig für ein Unternehmen ein Verlust, wenn etwa eine hochqualifizierte Frau mit viel Erfahrung aus dem Beruf aussteigt.» Das Problem sei oft, dass betroffene Frauen und ihre Vorgesetzten sich gar nicht bewusst seien, dass ihre Probleme bei der Arbeit einen Zusammenhang mit der Menopause haben könnte. «Viele denken, sie könnten einfach nicht mehr gut mit Stress umgehen oder seien mental nicht mehr so belastbar.» Deshalb sei es wichtig, dass innerhalb von Betrieben über die Thematik gesprochen werde, sagt Priska Christen. «Es geht darum, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass es diese Beschwerden gibt. Viele kennen nur Symptome wie Hitzewallungen und Schlafstörungen. Dass aber auch mentale Beschwerden vorkommen, ist weniger bekannt.» Wechseljahrbeschwerden anzupacken und sich ärztliche Hilfe holen, sei selbstverständlich Sache der Betroffenen, betont Priska Christen. Aber es gebe durchaus auch von Arbeitgeberseite her Möglichkeiten, die Frauen in ihrer Situation zu unterstützen. «Was beispielsweise helfen kann, sind – wenn möglich – flexible Arbeitszeiten, etwa dann, wenn jemand unter starken Schlafstörungen leidet.» Am wichtigsten ist aber das Bewusstsein und das Verständnis in einem Betrieb. «Wenn die Frauen merken, dass sie ernst genommen werden und ein gewisses Verständnis da ist, hilft das bereits sehr viel.»

Grosses Interesse
Maya Croll, HR-Verantwortliche bei der Krebsliga Schweiz, durfte bereits an einem Referat von Villa Margarita zum Thema Wechseljahrbeschwerden und Arbeitsplatz teilnehmen. «Das Interesse am Thema war sehr gross. Das Wichtigste war, dass damit die Thematik enttabuisiert wurde und seither viel mehr darüber gesprochen wird.» Das nehme vielen Betroffenen Druck weg. «Das gegenseitige Verständnis hilft. Es gibt Frauen, die sagen, dass sie schlecht schlafen und im Moment etwas angeschlagen seien.» So erkenne man im Alltag besser, wo das Problem liege, und suche gemeinsam nach Lösungen. «Es kann nur schon helfen, wenn wir vielleicht mal eine Sitzung nicht um acht Uhr morgens abhalten, sondern etwas später», sagt Maya Croll. Betroffene Frauen seien auch sensibler gegenüber sich selbst und hätten gemerkt, dass sie nicht still vor sich her leiden müssten, sondern sich Hilfe bei der Frauenärztin suchten.

Dass die Wechseljahrbeschwerden und ihre Auswirkungen auf den Arbeitsalltag vermehrte Beachtung finden, kommt auch den Unternehmen zugute. «Frauen ab 45 sind die am schnellsten wachsende Arbeitnehmenden-Gruppe», sagt Jeanette Kuster. «Wir können es uns in Zeiten des Fachkräftemangels nicht leisten, dass sie scharenweise aus dem Berufsleben aussteigen oder ihre Pensen reduzieren. Firmen täten deshalb gut daran, das Thema ernst zu nehmen und ihre Mitarbeiterinnen in dieser Lebensphase zu unterstützen.»

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