Bei einem hohen Strom-Eigenverbrauch können Photovoltaikanlagen für Unternehmen aktuell sehr attraktiv sein. «Grundsätzlich macht es für die meisten Unternehmen Sinn, in eine Solaranlage zu investieren. Vor allem für produzierende Unternehmen mit grösserem Verbrauch ist eine Solaranlage interessant», sagt Cedric Bühlmann als Leiter Photovoltaik und Wärme ad interim der CKW AG. Er nimmt eine konstante Zunahme an Anfragen wahr. Viele Unternehmen sehen das Potenzial für tiefere Energiekosten im Betrieb in einer PV-Anlage – gerade auch durch die deutlich gesunkenen Investitionskosten. «Zusätzlich werden vermehrt kombinierte Lösungen aus Solaranlage, Batteriespeicher und Elektromobilität angefragt und umgesetzt», sagt Bühlmann. Das bestätigt Manuel Schilliger, Geschäftsführer der Solar Energie Effizienz AG in Luzern. «Aus unserer Sicht besteht gegenüber Photovoltaikanlagen weiterhin eine grundsätzlich positive und offene Haltung, jedoch hören wir oft, man bekomme ja nichts mehr zurück bei der Einspeisung. Das Ziel mit einem hohen Eigenverbrauch die eigenen Stromkosten zu senken, steht stets im Vordergrund.»
Amortisation kann unter zehn Jahren liegen
Bei der BE Netz AG stellt Inhaber und Geschäftsleiter Marius Fischer aufgrund der Planungsunsicherheit und der Komplexität der aktuellen Rahmenbedingungen insbesondere im Bereich der Einfamilienhäuser und der Mehrfamilienhäuser einen stockenden Trend fest. Rund 35 Prozent der Projekte entfallen beim Luzerner Unternehmen auf den Bereich Einfamilienhäuser und Mehrfamilienhäuser. Die restlichen 65 Prozent stammen aus den Segmenten Gewerbe, Industrie, öffentliche Bauten, Infrastruktur, Fassaden, Freiflächenanlagen und Genossenschaften. Auch Fischer schätzt die KMU als offen gegenüber Photovoltaikanlagen ein. «Insbesondere stromintensive Betriebe wie Produktionsunternehmen, Sägereien oder verarbeitende Gewerbe setzen sich aktiv mit dem Eigenverbrauch von Solarstrom auseinander», sagt auch er. Oft verfügen Gewerbe- und Industriebauten über attraktive Dachflächen, und die Gestehungskosten von Solarstrom liegen heute in vielen Fällen deutlich unter den Strombezugskosten der Energieversorgungsunternehmen.
Die Anlagen werden heute zudem mit Batteriespeichern ergänzt. «Der Eigennutzen des Solarstroms ist relevant. Dieser muss sorgfältig geprüft werden. Wenn der passt, können Anlagen sehr lukrativ betrieben werden. Die Amortisation kann unter zehn Jahren liegen. Aber das ist sehr anwenderspezifisch», so Fischer. «Ein geschulter Blick in die Stromrechnung und auf das Dach kann schnell aufzeigen, ob sich eine PV-Anlage rentiert oder nicht», erklärt er. Eine Photovoltaikanlage rentiert für ein KMU, wenn es den eigens produzierten Solarstrom bestmöglich im Betrieb nutzen kann und den überschüssigen Strom zu den besten Rückliefertarifen rückspeist. «Das wird vor allem mit den dynamischen Rückspeisetarifen im Jahr 2027 sehr relevant», sagt Marius Fischer. Diesbezüglich werden Batteriespeicher und Energiemanagementsystem (EMS) noch an Wichtigkeit zulegen.
Bei einem hohen Eigenverbrauch sind Photovoltaik-Anlagen für KMU interessant, wie das Beispiel der Sägewerk Christen AG – im Bild Geschäftsleiter André Albisser – in Luthern zeigt.
(Bild: KGL/Eveline Beerkircher)
Preis kann sich viertelstündlich ändern
Kürzlich hat der Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen bekanntgegeben, dass ab 2027 in der Schweiz neue Regeln für die Vergütung von Solarstrom gelten, sofern keine andere Vergütung vereinbart wurde. Für Betreibende von Photovoltaikanlagen bedeutet dies: Mit den neuen Vorgaben orientiert sich die Höhe der Vergütung von eingespeistem Strom an den tatsächlichen Marktbedingungen. Wer also an einem sonnigen Mittag Solarstrom einspeist, wird dafür relativ wenig erhalten, weil dann ohnehin viel Strom vom Dach vorhanden ist. Ist zu einer bestimmten Viertelstunde viel Solarstrom verfügbar, kann die Vergütung in dieser Viertelstunde tiefer ausfallen oder gar negativ sein. Mehr denn je heisst es also, den Strom an den wolkenlosen Tagen möglichst selbst zu nutzen.
Früher der Fluss, heute die Sonne
Quasi immer selbst genutzt wird der Strom bei der Sägewerk Christen AG. Im Werk in Luthern werden für die Produktion von Fassadenholz, Schnittholz, Verpackungsholz und Restholz 800›000 Kilowattstunden Strom pro Jahr benötigt. Einige Anlagen sind 24 Stunden pro Tag in Betrieb, beispielsweise die Trockenkammern und die Heizzentrale. Die 5800 m2 grosse Photovoltaikanlage liefert 1,3 Millionen Kilowattpeak. «Früher brachte der Fluss Luthern die Kraft ins Sägewerk, heute sägt die Sonne», sagt Geschäftsleiter André Albisser. Im Jahr 2012 wurde die erste Photovoltaikanlage auf den Dächern des Unternehmens installiert. 2026 wurde sie von BE Netz ersetzt, da mit der neuen Anlage noch deutlich mehr Strom produziert werden kann. «Auch bei uns steigt der Energiebedarf. Die Tatsache, dass wir nicht den variablen Energiepreisen ausgeliefert sind, war vor 14 Jahren mitentscheidend, dass wir uns für die grosse Anlage entschieden haben», erklärt der Geschäftsleiter des Unternehmens mit 20 Vollzeitstellen.
«Natürlich ist der Eigenverbrauch für uns zentral. Für ein KMU ist der Entscheid für eine Photovoltaik aus der Sicht des Bestellers interessant», sagt Albisser. Gerade von grossen international tätigen Bestellern werde er oft auf die Nachhaltigkeit der Energie angesprochen. «Grüner Strom ist da auf jeden Fall ein Plus», sagt er. Das nächste Projekt, um den Eigenverbrauch weiter zu steigern, ist auch bereits angelaufen: Die Installation eines 2,6 Megawatt grossen Gewerbespeichers. Die Kick-off-Sitzung dazu hat Ende August stattgefunden. Die Installation soll innerhalb von zehn Wochen abgeschlossen sein.
Grundsätzlich macht es für die meisten Unternehmen Sinn, in eine Solaranlage zu investieren.
Preise für Batteriespeicher sind gefallen
Auch kleinere Batteriespeicher liegen aktuell aufgrund der tiefen Einspeisegebühren im Trend. Zusätzlich sind die Preise von Batteriespeichern in den letzten Monaten deutlich gefallen. Die CKW AG stellt seit den Osterferien eine Nachfragezunahme fest. «Wir bieten fast bei jedem Projekt einen Speicher an, sofern dies in Relation mit der Anlagegrösse und dem Verbrauch Sinn ergibt», sagt auch Manuel Schilliger, Geschäftsführer der Solar Energie Effizienz AG in Luzern. «Auch aufgrund der Netzentlastung und der Erhöhung des Eigenverbrauchs», führt er weiter aus. Ob ein Batteriespeicher Sinn macht oder nicht, kommt auf verschiedene Faktoren an. Je grösser die Differenz zwischen dem Netzstrompreis und der Einspeisevergütung ist, desto spannender wird die Speicherung. Um den Eigennutzungsgrad wie auch die Rückspeisung zu optimieren, werden Batteriespeicher mit intelligenten Energiemanagementsystemen (EMS) eingesetzt. Mittels EMS können jene Anlagen mit einem hohen Strombedarf mit Strom angesteuert werden, wenn der Strom vorhanden ist – sei dies die Betriebsanlage oder der elektrische Fuhrpark.
Solarstrom dem Nachbarn verkaufen
Wer keinen eigenen Produktionsbetrieb hat, den Batteriespeicher gefüllt hat und wem die Einspeisepreise unattraktiv sind, hat eine weitere Möglichkeit: den Strom dem Nachbarn oder einem Abnehmer in der Umgebung zu verkaufen. Der Produzent hat mit einem Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV), einem virtuellen ZEV (vZEV) oder mittels einer lokalen Elektrizitätsgemeinschaft (LEG) die Möglichkeit, den Strom zu einem etwas höheren Tarif zu verkaufen, als wenn er den Strom dem Elektrizitätswerk verkauft, die Abnehmer zahlen aber doch weniger, als wenn sie den
Strom vom EW direkt beziehen. Auch wenn ein Unternehmen mehrere Immobilien besitzt, kann eine solche Lösung ohne Beteiligung Dritter eine Option sein, den Eigenverbrauch zu optimieren. Natürlich sammelt sich ein KMU auch Pluspunkte in der Nachbarschaft, wenn es den Nachbarn im Quartier oder im Dorf günstigeren Strom zur Verfügung stellt. Marius Fischer von BE Netz ist zuversichtlich, dass sich die Photovoltaik attraktiv im Bereich der KMU weiteretablieren wird. Seiner Ansicht nach gibt es aber nach wie vor sehr viel ungenutztes Potenzial auf den Gewerbedächern.