Über 5000 Jugendliche starten in die Berufsbildung

Der Lehrstellenmarkt ist auf hohem Niveau stabil. Das freut Daniel Preckel, Chef der Dienststelle Berufs- und Weiterbildung des Kantons Luzern. Er sieht aber auch steigenden Konkurrenz-druck bei den Betrieben und Nachholbedarf bei den Auszubildenden, vor allem in Mathematik.

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Die Dienststelle Berufs- und Weiterbildung (DBW) des Kantons Luzern hat bereits per Ende Mai 3451 Lehrverträge genehmigt, was dem Niveau des Vorjahres entspricht. Bis im Spätsommer werden weitere 1500 bis 1600 Lehrverträge erwartet. Den hin und wieder erhobenen Vorwurf, junge Erwachsene seien heute weniger motiviert und hätten höhere Ansprüche, teilen die meisten der befragten Ausbildungsbetriebe nicht. «Sie sind nicht weniger motiviert, sondern haben andere Erwartungen», sagt Sandro Grossenbacher, Leiter der Bildungsacademy der Josef Meyer Stahl und Metall AG in Emmen. «Wenn sie ernst genommen werden, Verantwortung übernehmen dürfen und gut begleitet werden, zeigen sie grosses Engagement. Als Ausbildungsbetrieb sehen wir es als unsere Aufgabe, sie zu fördern und zu fordern», so Grossenbacher weiter. Mike Steimann, Architekt und Partner bei der GKS Architekten AG in Luzern, sieht dies ähnlich: «Ich denke, man muss die jungen Leute auch motivieren, eine gute Ausbildung zu absolvieren. Dazu gehört, dass die Lernenden schon bald selbst Verantwortung übernehmen dürfen und sollen. Bis ins dritte Lehrjahr nur mit untergeordneten Tätigkeiten beschäftigt zu sein, motiviert nicht wirklich», sagt er. Hans Imbach von Imbach Elektro AG in Sursee bildet Elektroinstallateure und Montageelektriker aus. Er stellt grosse Unterschiede beim Lehreintritt fest, «aber nach zwei, drei Monaten ist eine gewisse Routine vorhanden». Auch er vertritt die Ansicht, dass die jungen Erwachsenen motiviert seien. «Mehr Ausfälle durch Krankheit stelle ich aber schon fest», sagt Imbach, der selbst seit 38 Jahren Lernende ausbildet.

«Jugendliche hinterfragen heute mehr»
Daniel Preckel, Leiter DBW des Kantons Luzern, zeigt sich zufrieden mit der Qualität der Abschlüsse. Er würde die heutige Jugend auch nicht als weniger leistungsbereit bezeichnen. «Gleichzeitig wäre es aber falsch, zu behaupten, es sei alles in Ordnung», erklärt er. «Oft wird weniger arbeiten wollen mit anders arbeiten wollen verwechselt. Jugendliche hinterfragen heute stärker, wofür sich Leistung lohnt. Das ist nicht automatisch ein Motivationsproblem. Gleichzeitig sehen wir bei Selbstständigkeit, Ausdauer und einzelnen Grundkompetenzen durchaus Herausforderungen. Beides kann also gleichzeitig stimmen», sagt er. Rahel Amstutz, Berufsbildnerin bei der Amstutz Gartenbau AG in Emmen, war mit den Leistungen der zwei Lernenden, die diesen Sommer abgeschlossen haben, sehr zufrieden. «Beide haben die Ausbildung auf dem zweiten Berufsweg absolviert, haben sich hervorragend entwickelt und ihre Ausbildung mit viel Engagement abgeschlossen. Umso mehr freut es mich, dass wir beide weiterhin bei uns im Betrieb beschäftigen dürfen», erklärt sie.

Pamela Barcenas Perez, Metallbauerin EFZ im 1. Lehrjahr, und Berufsbildner Felix Liechti lassen in der Josef Meyer Stahl und Metall AG in Emmen die Funken fliegen.

Berufsbildnerinnen und Berufsbildner entscheidend
Der zuletzt leichte Anstieg der Übertrittsquote ins Langzeitgymnasium ist repräsentativ für die steigende Herausforderung, die richtigen Schulabgängerinnen und -abgänger für die Lehrbetriebe gewinnen zu können. Die berufliche Grundbildung bleibt in Luzern für die grosse Mehrheit der Jugendlichen aber der bevorzugte Bildungsweg. Der eigentliche Wettbewerb findet innerhalb der Berufsbildung statt: Gute Lehrbetriebe konkurrieren um dieselben motivierten Jugendlichen. «Die Anforderungen an die Lehrbetriebe steigen dadurch. Ein Lehrbetrieb ist kein Selektionsort, er ist ein Entwicklungsort», erklärt Daniel Preckel. «Wer nur die Besten auswählen will, wird sich künftig schwertun. Erfolgreich werden jene Lehrbetriebe sein, die Potenzial erkennen und gezielt entwickeln», prophezeit er. «Die Lernenden entwickeln ihre beruflichen Handlungskompetenzen während der Ausbildung. Genau deshalb sind engagierte Berufsbildnerinnen und Berufsbildner so entscheidend. Sie erkennen Potenziale, fördern sie gezielt und begleiten junge Menschen in einer prägenden Lebensphase. Diese Arbeit kann gar nicht hoch genug geschätzt werden», sagt Preckel und betont, dass die Dienststelle Berufs- und Weiterbildung in den kommenden Jahren gezielt in die Weiterbildung und Unterstützung der Berufsbildnerinnen und Berufsbildner investieren wird.

Wichtig: Perspektiven aufzeigen
Die Suche nach passenden Lernenden ist anspruchsvoller geworden, bestätigt auch Sandro Grossenbacher von der Josef Meyer Stahl und Metall AG. «Es gibt viele Möglichkeiten für junge Menschen, weshalb wir uns als Ausbildungsbetrieb aktiv präsentieren müssen. Entscheidend ist, ihnen früh einen Einblick in den Beruf zu geben und zu zeigen, welche spannenden Entwicklungsmöglichkeiten sie bei uns haben. Diesen Einblick bieten wir beispielsweise mit unserem jährigen Begeisterungsfest», erzählt er. Beim Gastro-Betrieb Remimag haben im August neun Lernende eine Gastro-Ausbildung und zwei Personen eine kaufmännische Ausbildung gestartet. «Die Gewinnung von Lernenden ist aus unserer Sicht anspruchsvoller geworden, weil sich der Arbeitsmarkt in den vergangenen Jahren zugunsten der Arbeitnehmenden entwickelt hat. Umso wichtiger ist es, junge Menschen für die vielfältigen Entwicklungs- und Karrieremöglichkeiten im Gastgewerbe zu begeistern und als Ausbildungsbetrieb sichtbar Der Lehrstellenmarkt ist auf hohem Niveau stabil. Das freut Daniel Preckel, Chef der Dienststelle Berufs- und Weiterbildung des Kantons Luzern. Er sieht aber auch steigenden Konkurrenzdruck bei den Betrieben und Nachholbedarf bei den Auszubildenden, vor allem in Mathematik. Der Wettbewerb für Lehrbetriebe verschärft sich und attraktiv zu sein», sagt der Geschäftsleiter Bastian Eltschinger.

Handlungsbedarf bei Grundkompetenzen
Handlungsbedarf sieht Daniel Preckel von der Dienststelle Berufs- und Weiterbildung aber auch bei den Auszubildenden: «Die jüngste Überprüfung der Grundkompetenzen hat insbesondere im Bereich Mathematik gezeigt, dass bei einigen Jugendlichen Handlungsbedarf besteht.» Bildungsdirektor Armin Hartmann hatte diese Ergebnisse als unbefriedigend bezeichnet und zusätzliche Massnahmen angekündigt. Diese Herausforderung beginnt in der Volksschule und begleitet viele Jugendliche beim Übergang in die Berufsbildung. «Deshalb werden wir unsere Unterstützungsangebote dort gezielt weiterentwickeln, wo Lernende und Lehrbetriebe sie benötigen», so Preckel.

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