US-Zollpolitik: Hart nachverhandeln und die KMU entlasten

Der einseitig durch die USA festgelegte Strafzoll von fast 40 Prozent auf Schweizer Exporte ist weder nachvollziehbar noch verhältnismässig. Bundesrat und Diplomatie müssen nun hartnäckig nachverhandeln. Der KGL mahnt trotz grossem US-Druck: Schnellschüsse durch zu weit gehende Zugeständnisse in den Verhandlungen darf es nicht geben. Die Schweizer Wirtschaft soll sich indes ihrer Stärken besinnen und diese auch ausspielen.

Der von US-Präsident Donald Trump verhängte Strafzoll von 39 Prozent auf Schweizer Exporte ist in keiner Weise nachvollziehbar. Es ist ein direkter Angriff auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Werkplatzes. Die Höhe des Zolltarifs steht im internationalen Marktvergleich weit ausserhalb jeglicher Verhältnismässigkeit. Die Auswirkungen dieser US-Zollpolitik betreffen nicht nur die Pharma als grösste Aussenhandelsbranche, sondern auch die besonders exportorientierten Unternehmen aus Maschinenbau, Uhren-, Lebensmittel- und Zulieferbranchen. Der Export ist lebenswichtig für die gesamte Schweizer Wirtschaft: Mit Waren und Dienstleistungen verdient die Schweiz rund 40 Prozent, also mehr als jeden dritten Franken im Ausland.

Folgen: Sinkende Exporte, tiefere Margen, gebremste Investitionen

Mit einem Anteil von 99 Prozent und mehr als zwei Dritteln der Arbeitnehmenden wird auch die KMU-Wirtschaft des Kantons Luzern die negativen Auswirkungen zu spüren bekommen. Folgen dieser volkswirtschaftlich schädlichen, einseitig verhängten Zölle sind sinkende Exporte, tiefere Margen und eine gebremste Investitionstätigkeit bei den KMU. Dadurch wird der Wohlstand gefährdet und das Risiko für die Arbeitsplatzsicherheit erhöht.

Kurzfristig muss der Bundesrat nun alle zur Verfügung stehenden Optionen und Kontakte nutzen, um in Nachverhandlungen eine Verbesserung der einseitig verhängten US-Zolltarife zu erreichen. Es gilt in den Nachverhandlungen unter anderem aufzeigen, dass die Schweiz fast zwanzigmal mehr Investitionen in den USA pro Kopf zugesagt hat als die EU. Darüber hinaus erwartet der KMU- und Gewerbeverband des Kanton Luzern (KGL) von Bund und eidgenössischer Politik - und zusätzlich unbedingt auch auf kantonaler Ebene - strukturelle, regulatorische und steuerliche Entlastung für die KMU-Wirtschaft im Inland und eine verbesserte, diversifiziertere Aussenwirtschaftspolitik. Es gilt, die Marktfähigkeit der KMU als Rückgrat der Schweizer Wirtschaft zu unterstützen, indem sie - wie das auch der Schweizerische Gewerbeverband sgv fordert - von den steigenden administrativen Vorschriften, der wachsenden Bürokratie auf allen Staatsebenen entlastet werden. Der KGL steht bereit, diesen Kurs auf kantonaler wie nationaler Ebene mitzugestalten und die Anliegen seiner Mitglieder direkt einzubringen.

Ruhe bewahren: KMU sind flexibel, innovativ, produktiv und resilient

Trotz der zu erwartenden, erheblichen Schwierigkeiten: Die Schweizer KMU zeichnen sich seit je her durch hohe Flexibilität, Innovationsfähigkeit, Produktivität und Resilienz aus. Diese Stärken gilt es weiterhin selbstbewusst auszuspielen. Es gibt also auch sehr gute Gründe dafür, die nötige Ruhe zu bewahren. Die Schweiz tut gut daran, besonnen zu bleiben und angesichts des US-amerikanischen Drucks keine Schnellschüsse und schon gar keinen Ausverkauf zu veranstalten.

Massnahmen und Verbesserungsmöglichkeiten für Unternehmen aus KMU-Sicht der KMU und allgemeinwirtschaftlich:

  • Betriebswirtschaftliche Verbesserungen: Effizienter werden in Produktion und Administration (Digitalisierung, Innovationen); Margen justieren; wo möglich Preiskorrekturen vornehmen. Letzteres darf indes nicht dazu führen, die Markt- und Konkurrenzfähigkeit preiszugeben.
  • Abnehmermarkt diversifizieren: Die Abhängigkeit vom US-Markt reduzieren, bestehende Exportbeziehungen ausbauen und neue, alternative Absatzmärkte ebenso prüfen wie Produktionsverlagerung oder Partnerschaften im Ausland. Nutzung von E-Commerce, Nischenstrategien und Direktvertrieb einführen oder ausbauen.
  • Aktive Freihandelspolitik: Der Bund muss den institutionalisierten Handel mit anderen Ländern forcieren. Die Chancen im internationalen Abnehmermarkt werden erhöht, indem die Schweiz aktiv bestehende Hürden abbaut. Sprich: Die Verbesserung bestehender und das Aushandeln neuer Freihandelsabkommen muss nochmals priorisiert werden.
  • Zollverfahren optimieren: Zölle fielen für die Schweizer Wirtschaft bisher kaum ins Gewicht, nun müssen die Abläufe rasch überprüft und verbessert werden. So sind etwa lückenlose Nachweise wichtig, welche «Nationalität» ein Produkt hat. Mit entsprechenden Prozessen lassen sich Herkunftsdeklarationen verbessern, etwa wenn Unternehmen Niederlassungen in der EU oder in den USA haben.

Illustration: ChatGPT/KGL

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