Bauwirtschaft: positive und negative Beispiele

Bei Baugesuchen gibt es für Planende offensichtlich viel Frust, doch es gibt auch Projekte, bei denen Gesuche problemlos verlaufen: Der Spatenstich für den Vista Park in Rothenburg erfolgte nach nur viereinhalb Monaten Baubewilligungsverfahren.

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Dass Baugesuche nicht nur lange Wartezeiten und Frust mit sich bringen, zeigt ein aktuelles Bauprojekt in Rothenburg: das 15 000 m2 grosse Büro- und Gewerbegebäude – der Vista Park – in Rothenburg. Das Gebäude soll ab Sommer 2027 bezugsbereit sein, die Baubewilligung wurde letzten Herbst erteilt. Raphael Stocker, Inhaber der Stocker Stahl AG in Rothenburg, blickt ein halbes Jahr später sehr entspannt auf den Bewilligungsprozess zurück. «Grundsätzlich war es eine einfache Abwicklung, es gab wenig Einsprachen, und die Mitarbeitenden des Bauamtes Rothenburg waren angenehm und kompetent», blickt der Bauherr und Eigentümer von Vista Park auf den Prozess zurück. Das Verfahren dauerte lediglich viereinhalb Monate. «Ich würde das für die Grössenordnung des Objektes, direkt an der Hauptstrasse, als schnell erachten», sagt er. Vor allem auch in Anbetracht dessen, dass an der Hauptstrasse ein grosses Infrastrukturprojekt stattfindet», spricht er das Gebiet um den Bahnhof Rothenburg an, das zu einem Entwicklungsschwerpunkt des Kantons gehört.

Die Gegebenheiten waren bekannt
Doch wie kann es sein, dass sich einige Planende an ihren Bewilligungsverfahren die Zähne ausbeissen, während andere Projekte so reibungslos die nötigen Stationen im Prozess durchlaufen? «Es braucht eine frühzeitige Planung, einen Informationsaustausch und die Einbindung aller möglichen Anspruchsgruppen, wie Nachbarn und die zuständigen Ämter», sagt Stocker. Dank einem Neubau, den die Stocker Stahl AG vor rund fünf Jahren bereits auf demselben Areal erstellt hat, waren den Verantwortlichen die Gegebenheiten vor Ort bereits vertraut, was einer Beschleunigung des Prozesses sicher auch in die Karten spielte. «Der Umstand, dass man bereits im Vorfeld über die nötigen Kontakte verfügt, hat meiner Meinung nach einen mittleren bis hohen Stellenwert.» Das Projekt in Rothenburg hat Stocker einmal mehr die wichtigsten Punkte aufgezeigt. Das Wichtigste ist, eine frühzeitige und gute Planung in die Wege zu leiten und die verantwortlichen Stellen der Gemeinden frühzeitig und laufend über den aktuellen Projektstatus zu informieren. Dass Baubewilligungen auch aus anderen Gründen ins Stocken geraten können, ist auch Raphael Stocker bewusst, deshalb sagt er: «Natürlich würde die digitale Eingabe des Baugesuches den gesamten Prozess deutlich einfacher, schlanker und kostengünstiger machen.»

Aber es gibt auch andere Beispiele: Planende haben sich bei Baubewilligungen in den letzten Jahren in Geduld üben müssen. Direktbetroffene sehen neben Überlastung der zuständigen Stellen auch fehlende Kommunikation als Hauptursache für die Verzögerungen

«Es ist aber sehr abhängig von der zuständigen Gemeinde», sagt Architektin Helen Chappuis, Geschäftsleitungsmitglied bei der CAS Gruppe AG in Kriens. «Es gibt Gemeinden, da läuft es nach Vorgaben und immer unter Einhaltung der angegebenen Zeitdauer», führt sie weiter aus. Die längste Dauer, die sie bisher bei Baubewilligungsverfahren gewartet hat, war zwei Jahre. Die positiven Beispiele gebe es aber schon auch: «Sobald die Gemeinde selber in der Bearbeitung ist und nicht zusätzlich noch ein überregionales Bauamt eingeschaltet werden muss, dauert es in der Regel nicht sonderlich lange.» Die Probleme sieht sie bei den Verzögerungen gleich an mehreren Stellen: «Ich denke, das grösste Problem sind der Personalmangel und die Personen, welche berufsfremd sind. Auch sind sicher die Verantwortlichkeiten schwierig. Niemand will Verantwortung übernehmen oder gar Fehler machen, allenfalls hat man auch einfach die Kompetenz nicht. Zudem ist alles individuell geregelt – wäre es überall gesamtheitlich geregelt, gäbe es weniger Unklarheiten oder Angriffspunkte.» Kurt A. Zurfluh, Geschäftsführer der Zentralschweizerischen Baumeisterverbände, formuliert es ähnlich: «Die Kommunikation wird durch die Bewilligungsgeber zu wenig gesucht, stattdessen wird alles mehrfach schriftlich abgefragt. Gefragt sind wirkliche Entscheidungsträger, welche hierzu auch die nötigen Kompetenzen, übergreifend die Verwaltungseinheiten, haben.» Benno Britschgi war in den 1990er-Jahren beim Bau des Emmen Center dabei und hat auch für den Flughafen Zürich Bauprojekte realisiert. «Alle meine Bewilligungsverfahren dauerten maximal sechs Monate», erklärt der Projektmanager. Eine Ausnahme gab es: Beim Emmen Center dauerte die Genehmigung des Bebauungsplans mit Umweltverträglichkeitsprüfung zwölf Monate. «Das ist für so ein Verfahren immer noch kurz. Die Komplexität einer Baueingabe ist in den letzten 30 Jahren aber explodiert – vor allem durch den Umweltschutz –, ohne die Qualität der Resultate aus den Bauten zu verbessern», sagt er.

Der Kanton Baselland als Vorbild
Helen Chappuis erachtet das Vorgehen im Kanton Baselland als positiv. «Da wird alles geprüft via Bauinspektorat, welches kantonal geregelt ist. Nach der Prüfung und der Bereinigung geht das Dossier zurück an die Gemeinde, und man kann die Bewilligung eingeben. Somit weiss die Gemeinde bereits, alles ist in Ordnung, und man kann das Verfahren schnell und gut abwickeln», erklärt sie. Aber auch die digitale Eingabe, welche bereits in vielen Kantonen hervorragend umgesetzt würde, ist nach ihr ein gutes Instrument.

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